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Digitalisierung 6

Das Eigenkontrollkonzept (HACCP): Pflichtinhalte und Vorlage

Eigenkontrollkonzept: Wer es braucht, was hineingehört, wie Sie es erstellen und welche Blankovorlage Sie ohne Fehler verwenden können.

Eigenkontrollkonzept: Definition und rechtliche Grundlage

Das Eigenkontrollkonzept ist der Ordner, der belegt, dass Ihr Betrieb die Sicherheit der Lebensmittel im Griff hat, die er verarbeitet. Es bündelt Ihre Verfahren, Ihre Aufzeichnungen und Ihre Nachweise der Kontrolle. Bei einer Betriebsprüfung ist es das erste Dokument, das die Kontrolleurin oder der Kontrolleur verlangt.

Die europäische Gesetzgebung schreibt es seit der Verordnung (EG) Nr. 852/2004 vor, dem Kernstück des EU-Hygienepakets. Dieser Text verpflichtet jedes Unternehmen der Lebensmittelbranche dazu, dauerhafte Maßnahmen auf Grundlage der HACCP-Methode einzuführen. Der Stellenwert des Eigenkontrollkonzepts ist damit gesetzlich festgelegt, nicht freiwillig.

Eigenkontrollkonzept: die Definition in einem Satz

Es ist ein dokumentiertes System, das die biologischen, chemischen und physikalischen Gefahren Ihres Betriebs beschreibt, die Maßnahmen zu ihrer Erkennung und Beherrschung festlegt und die zugehörigen Nachweise der Überwachung enthält. Nicht mehr und nicht weniger.

Wer braucht ein Eigenkontrollkonzept?

Alle Betriebe, die Lebensmittel für die Öffentlichkeit zubereiten, verarbeiten, lagern oder ausgeben. Die Betriebsgröße spielt dabei keine Rolle: Ein Foodtruck mit zwei Personen ist genauso betroffen wie eine Zentralküche mit 3.000 Essen pro Tag.

  • Restaurants, Gasthäuser, Pizzerien, Foodtrucks
  • Bäckereien, Konditoreien, Metzgereien, Cateringbetriebe
  • Gemeinschaftsverpflegung: Schulmensen, Pflegeheime, Krankenhäuser
  • Kitas und Kleinkindgruppen mit Essensausgabe
  • Lebensmittelgeschäfte mit Frischetheke oder Bedienung

Für wen genau ist das Eigenkontrollkonzept Pflicht? Für jeden Betrieb, der beim zuständigen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt registriert ist. Nur der Verkauf vorverpackter, bei Raumtemperatur lagerfähiger Ware bleibt von den meisten Anforderungen ausgenommen.

Beispiel: Eigenkontrollkonzept in der Kita

Ein Eigenkontrollkonzept für die Kita unterscheidet sich in einem Punkt: Die betreute Gruppe zählt zu den empfindlichen Verbrauchergruppen. Die Risiken durch Listerien und Salmonellen werden deshalb mit größeren Sicherheitsspannen behandelt.

Konkret regelt das Dokument den Umgang mit Fläschchen und Milchzubereitungen, das Aufwärmprotokoll, die von den Familien gemeldeten Allergien sowie einen Reinigungs- und Desinfektionsplan für Wickelflächen, der getrennt vom Küchenplan geführt wird. Auch die Rückverfolgbarkeit der von einem Caterer gelieferten Mahlzeiten nimmt darin einen zentralen Platz ein.

Was muss ein Eigenkontrollkonzept enthalten?

Der Inhalt gliedert sich in drei Teile. Ein vollständiges Eigenkontrollkonzept deckt alle drei ab, sonst gilt es als nicht konform.

1. Die gute Hygienepraxis

Dieser Teil beschreibt Ihre täglichen Hygienepraktiken. Er umfasst Schulung und Arbeitskleidung des Personals, die Belehrungen nach Infektionsschutzgesetz, die Gesundheit der Mitarbeitenden, den Reinigungs- und Desinfektionsplan je Bereich, die Wartung der Geräte, die Wasserqualität und die Schädlingsbekämpfung.

Jedes Verfahren muss vier Fragen beantworten: was, wer, wann, wie. Ein Reinigungsplan ohne Frequenz und ohne benanntes Mittel hat keinerlei Beweiswert. Prüfen Sie außerdem Ihre Aushangpflichten im Gastraum und in der Küche, die bei derselben Kontrolle geprüft werden.

2. Das HACCP-Konzept

Das ist der fachliche Kern der Unterlagen. Die Gefahrenanalyse geht jeden Schritt durch, vom Wareneingang bis zum Teller. Anschließend legen Sie die kritischen Kontrollpunkte fest, jeweils mit einem konkreten Grenzwert, einem Verfahren zur Überwachung und einer Korrekturmaßnahme.

Ein Beispiel aus der Praxis: Hackfleisch muss im Kern 70 °C erreichen. Beim Schnellkühlen muss ein Gericht in weniger als 2 Stunden von +63 °C auf +10 °C herunter. Diese Werte werden gemessen, notiert und aufbewahrt.

In der Praxis scheitern neun von zehn beanstandeten Konzepten nicht an der Formulierung, sondern an den Aufzeichnungen: Der Ordner ist perfekt, die Temperaturblätter sind seit drei Monaten leer.

3. Rückverfolgbarkeit und Umgang mit Abweichungen

Sie müssen innerhalb einer Stunde die Herkunft jeder ausgegebenen Charge nachweisen können. Dazu müssen Etiketten, Lieferscheine und Rechnungen aufbewahrt werden. Das Rückruf- und Rücknahmeverfahren legt fest, wer Alarm schlägt, wer die Ware sperrt und wer die Überwachungsbehörde informiert.

Wie erstellt man ein Eigenkontrollkonzept

Die Frage, wie man ein Eigenkontrollkonzept erstellt, kommt immer wieder. Die Methode besteht aus fünf Schritten und kostet zwei bis drei echte Arbeitstage.

  • Beschreiben Sie Ihren Betrieb: Produkte, Mengen, Warenwege, Ausstattung
  • Erstellen Sie ein Fließdiagramm für jede Gerichtefamilie
  • Führen Sie die Gefahrenanalyse Schritt für Schritt durch
  • Legen Sie Ihre kritischen Grenzwerte und Ihre Aufzeichnungsformulare fest
  • Schulen Sie das Team und überprüfen Sie das System zweimal jährlich

Stützen Sie sich auf die branchenspezifische Leitlinie für gute Hygienepraxis, die von den Behörden anerkannt ist. Ihre Rezeptkarten aus der Küche sind dabei eine wertvolle Grundlage: Sie enthalten bereits die Angaben zur Zubereitung, die Grammaturen und die verwendeten Lebensmittel.

Blankovorlage oder maßgeschneidertes Konzept: was wählen

Die Suchanfragen nach Eigenkontrollkonzept Vorlage Word kostenlos und Eigenkontrollkonzept Vorlage PDF kostenlos nehmen jedes Jahr zu. Eine Vorlage spart Zeit, aber ein ungeprüft abgeschriebenes Dokument wird abgelehnt.

KriteriumKostenlose BlankovorlageIndividuell erstelltes Konzept
Kosten0 €600 bis 1.500 €
Zeitaufwand für die Umsetzung2 bis 3 Tage1 bis 2 Wochen
Bestehen bei der KontrolleUnterschiedlich, muss angepasst werdenHoch
Passt zu den realen AbläufenStandardmäßig neinJa
AktualisierungIhre AufgabeMeist inklusive

Ein heruntergeladenes Eigenkontrollkonzept für Restaurants als PDF ist nur ein Gerüst. Sie müssen Ihre Lieferanten, Ihre Temperaturen, Ihre Geräte und Ihre Organisation einsetzen. Ein Eigenkontrollkonzept als Beispiel aus einer Pizzeria hat nichts mit dem eines Event-Caterers zu tun.

Lebensmittelkontrolle: die Fehler, die teuer werden

Der Ordner allein reicht nicht aus, um die Sicherheit der Speisen zu gewährleisten. Die Kontrolle gleicht Ihre Unterlagen mit dem ab, was sie in der Küche sieht. Drei Abweichungen tauchen immer wieder auf.

  • Temperaturaufzeichnungen, die rückdatiert oder in einem Rutsch ausgefüllt wurden
  • Fehlender Schulungsnachweis zur Lebensmittelhygiene für eine verantwortliche Person
  • Keine Rückstellproben in der Gemeinschaftsverpflegung

Die Folgen reichen von der einfachen Verwarnung bis zur behördlichen Schließung. Da die Kontrollergebnisse in immer mehr Bundesländern online veröffentlicht werden, wirkt sich das unmittelbar auf die Gästezahlen aus. Vorbeugen kostet weniger als reparieren, wie bei jeder anderen Position in einem Businessplan für ein Restaurant.

Das Eigenkontrollkonzept digitalisieren: was sich ändert

Papier ist weiterhin zulässig, geht aber verloren und wird schlecht gepflegt. Digitale Anwendungen versehen die Messwerte mit Zeitstempel, erinnern an vergessene Einträge und exportieren eine prüffertige Akte für die Kontrolle. Rechnen Sie je nach Betrieb mit 15 bis 40 € pro Monat.

Der größte Gewinn liegt woanders: Die Küchenleitung gewinnt fünf bis sechs Stunden Papierkram pro Monat zurück. Das ist dieselbe Logik wie bei der digitalen Speisekarte, wo die Änderung eines Gerichts dreißig Sekunden dauert statt eines kompletten Neudrucks. Die Übereinstimmung zwischen dem, was Sie den Gästen anzeigen – vor allem den Allergenen – und dem, was Ihr Konzept beschreibt, lässt sich so deutlich einfacher sicherstellen.

Ein lebendiges Eigenkontrollkonzept, das halbjährlich überarbeitet wird, schützt Ihren Betrieb weit besser als ein perfektes Dokument in der Schublade. Das ist das einzige Kriterium, das am Tag der Kontrolle zählt.

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